Mein Kantonsratsvotum zum Postulat 'P 5/20 Schwyzer Wanderwegnetz ausbauen!'

Position der Grünliberalen Fraktion zum Postulat 'P 5/20 Schwyzer Wanderwegnetz ausbauen!'

24. März 2021 Kantonsratssitzung
Zum Beitrag
PDF zum runterladen

Postulat 'P 5/20 Schwyzer Wanderwegnetz ausbauen!' mit dem entsprechenden Regierungsratsbeschluss

Position der Grünliberalen Fraktion zum Postulat 'P 5/20 Schwyzer Wanderwegnetz ausbauen!'

Geschätzter Herr Präsident, meine Damen und Herren

Das Postulat hat mir persönlich und auch unserer Fraktion zu grübeln gegeben. Ich bin gerne auf unseren Schwyzer Wanderwegen unterwegs und geniesse die Einzigartigkeit von unserem Kanton vom Wägitalersee, über den Bödmerenwald bis hin zum Urmiberger Föhrenwald vor meiner Haustür.

Warum sollten wir also nicht mehr Geld für die Instandstellung und den Ausbau unsers Schwyzer Wanderwegnetzes bereitstellen, wie das die Postulanten verlangen? Attraktivere Schwyzer Wanderwege könnten gerade in der Pandemiezeit für neue touristische Impulse sorgen.

So einfach ist es aber nicht. Wir Grünliberalen stehen für einen starken aber schlanken Staat ein, der sich auf seine Kernaufgaben konzentriert, auf Eigenverantwortung basiert und seine Dienstleistungen wie ein modernes Unternehmen organisiert. Wir wollen, dass der Staat nicht mehr Geld ausgibt als er einnimmt und unseren Nachkommen keine Schuldenberge hinterlässt.

Diese Grundhaltung lässt uns bei der Beurteilung des Postulats zum Schluss kommen, dass es zwar gut gemeint ist. Im Blindflug aber über 1 Mio. CHF locker zu machen, ist aus unserer Sicht der falsche Ansatz. Dies würde kein Unternehmen so machen, ohne vorher zu analysieren, wie und wo das Geld gebraucht wird.

Die Mängel im Netz, die im Postulat aufgezeigt werden, sind Sache der Gemeinden. An die Verbindungswanderwege richtet der Kanton Beiträge aus. Bei den kommunalen ist dies gesetzlich gar nicht möglich. Der Kanton könnte die 1.15 Mio. CHF also mit Investitionen in Hauptwanderwege oder Beiträge in Verbindungswanderwege einsetzen. Und hier kommt der nächste Knopf.

Auch wenn er wollte, so könnte der Kanton das Geld in absehbarer Zeit gar nicht zusätzlich investieren. Nachdem der Wanderweg bei der Hopfräbe in Brunnen und der geplante Schluchtenweg im Schlattli realisiert sind, fehlen vorerst die grossen Projekte. Und findet man zusätzliche neue Projekte, die man gleichzeitig realisieren will, fehlt für die Betreuung beim Fachbereich Langsamverkehr das Personal. Auch wenn nun eine Velostelle geschaffen wurde, ist der Fachbereich wohl stark mit den geplanten Velowegen beschäftigt.

Zusammenfassend fehlen also die Projekte, das Personal sowie die Gesetzesmöglichkeiten, Verbindungswanderwege stärker oder ganz durch den Kanton zu finanzieren und Beiträge an kommunale Wanderwege zu sprechen. Zusätzliches Geld löst diese Knöpfe nicht.

Wir Grünliberalen helfen gerne mit, Lösungen auf diesen Wegen zu suchen. Diese sind nämlich notwendig. Der Druck auf die Wanderwege wird zunehmen. Die Klimaerhitzung wird in unserem Bergkanton mehr Naturgefahren und Extremereignisse bringen.

  • Naturgefahren zerstören Infrastruktur oder gefährden Wandernde
  • Extremniederschläge zerstören Wege und Weginfrastruktur
  • Lange Trockenphasen verändern die Wegstruktur. Gras und Humus bilden sich zurück und können Risse entstehen lassen oder Steine und Geröll instabil machen
  • Kürzere Winter heisst mehr Zeit zum Wandern. Wenn man noch im Dezember wandern kann dann sind die Kontrollen noch nicht fertig im Oktober, sondern der Unterhalt muss bis im Dezember und bereits wieder ab Februar/März gewährleistet sein.
  • Wandern ist extrem populär. Daher muss man mehr investieren. Mehr Leute heisst auch mehr Kosten.
  • In Siedlungsgebieten wird es wärmer und Leute gehen in die Höhe. Und die Wege in der Höhe sind teuer. Es braucht mehr Sicherungen, mehr Investitionen um Ansturm der nächsten Jahre gerecht zu werden.

Die Klimaerwärmung stellt die Schwyzer Wanderwege mittelfristig vor neue Herausforderungen. Der Verein «Schwyzer Wanderwege» beschäftigt sich mit dieser Thematik und will genauer wissen, welche Herausforderungen mit dem Klimawandel auf uns zukommen. Er wirkt im durch das BAFU sowie das «EBS» und den «Regionalentwicklungsverband Rigi-Mythen» finanzierte Projekt «Sicher Wandern 2040» mit. Wir sind gespannt, was beim Bericht und den Untersuchungen im Pilotgebiet Rigi herauskommt und wie die Politik dann gefordert ist.

Die skizzierten Entwicklungen setzen auch die Gemeinden unter Druck. Wer weiss, ob der Verein Schwyzer Wanderwege mittelfristig noch genug Ortsleiter findet, welche den Unterhalt vor Ort gewährleisten. Dies sind oft Pensionäre, die zwar etwas dafür erhalten, aber auch viel ehrenamtlich machen. Fallen diese Weg, kommen auf die Gemeinden noch mehr Aufwände zu.

Zusammenfassend lehnen wir Grünliberalen das Postulat grossmehrheitlich ab. Wir bieten gleichzeitig aber Hand, die Herausforderungen der Zukunft für das Schwyzer Wanderwegnetz ganzheitlich anzupacken. 

Besten Dank

Django Betschart│Grünliberaler Kantonsrat│Brunnen

Hast du Anregungen oder Ideen zum Beitrag - Schreib mir...

Django Betschart, Kantonsrat SZ GLP
Schreib mir!

Django Betschart

Hast Du gute Ideen und Vorschläge, wie wir Brunnen und unseren Kanton Schwyz #progressiv und #grünliberal weiterentwickeln können? Oder einfach Fragen zu meiner Politik und Person? Ich freue mich auf Deine Kontaktaufnahme!